Abweichungen im Einzelkiefer

Platzmangel
Engstände sind ein sehr häufiges Problem. Entweder sind die Zähne zu groß, der Kiefer zu schmal oder bleibende Zähne sind nach vorn gewandert und engen den Platz für andere Zähne ein. Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt die Kosten einer Behandlung, wenn für einen Zahn mehr als 3mm Platz fehlen.

Ursache für einen Engstand ist oft ein vorzeitiger Milchzahnverlust, denn Milchzähne haben eine Platzhaltefunktion. Der erste bleibende Zahn, der durchbricht, ist meist ein großer Backenzahn, der sich hinter den Milchzähnen in die Zahnreihe stellt. Bei vorzeitigem Verlust eines Milchzahnes ist die Zahnreihe nicht mehr abgestützt und der bleibende Backenzahn drückt nach vorn. Die bleibenden Zähne, die dann noch kommen wollen, haben nicht genug Platz. Sie stellen sich verschachtelt in die Zahnreihe oder sind evtl. sogar im Knochen eingeklemmt. Wenn also ein Milchzahn frühzeitig durch Karies verlorengeht, sollten sie ihren Kieferorthopäden aufsuchen, damit eine kleine herausnehmbare Klammer, ein sog. Platzhalter, eingesetzt werden kann, der die Lücke für die bleibenden Zähne offen hält.

 

   
Lücken
Bei zu schmalen Zähnen oder einem zu breiten Zahnbogen können Lücken in der Zahnreihe entstehen. Ursache einer Lücke zwischen den oberen mittleren Schneidezähne kann auch ein zu tief ansetzendes Lippenbändchen sein.
   

Nichtanlagen
Lücken entstehen natürlich auch, wenn bleibende Zähne von Geburt an gar nicht angelegt sind, d.h. sie fehlen komplett.

Häufig betroffen sind die oberen seitlichen Schneidezähne (siehe Foto) und die zweiten kleinen Backenzähne. Meist bleibt dann der entsprechende Milchzahn länger erhalten, aber spätestens mit 25-35 Jahren geht auch er meist verloren. Dann muss die Zahnlücke mit Zahnersatz versorgt werden. Manchmal ist aber auch ein anderer Weg sinnvoll: Je nach Aufbau des Gebisses, kann man die Zahnlücke auf kieferorthopädischem Wege schließen. Das heißt man bewegt die Nachbarzähne in die Lücke, so dass später kein künstlicher Zahn eingesetzt werden muss. Auch wenn die Zahnreihe dann um einen Zahn kürzer ist, kann man noch hervorragend kauen und beißen.

   

Verlagerung
Verlagert nennt man einen Zahn, der noch vor dem Druchbruch in die Mundhöhle stark von seiner normalen Lage abweicht.

Oft sind die oberen Eckzähne betroffen, die schief im Kiefer liegen und dadurch nicht alleine den Weg in die Zahnreihe finden. Manchmal hilft eine Entfernung des Milcheckzahns, der nicht weichen will und den Durchbruch behindert. Oft reicht das aber leider nicht und der verlagerte Zahn muss operativ freigelegt werden. Der Zahnarzt macht dabei einen kleinen Schnitt in das Zahnfleisch und entfernt evtl. etwas Knochen um den Zahn herum, um auf dem verlagerten Zahn ein kleines Knöpfchen mit einer Drahtschlaufe zu befestigen. Diese Drahtschlaufe ragt nach der kleinen Operation aus dem Zahnfleisch heraus, damit man einen kleinen Gummiring einhängen kann, der zu einer losen oder festen Klammer zieht. Mit diesem Gummi wird der verlagerte Zahn langsam in die Zahnreihe gezogen. In seltenen Fällen führt aber auch das nicht zum Erfolg, wenn z.B. der Zahn fest mit dem Knochen verwachsen ist. Dann bleibt nur eine operative Entfernung des verlagerten Zahnes.