Drei lachende Mädchen, eine mit fester Zahnspange

Zahnspange für Kinder und Jugendliche

Die HAUPTBEHANDLUNG

Das "übliche" Behandlungsalter in der Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche liegt zwischen 9-15 Jahren, je nach Zahnwechsel.

Bei den meisten Fehlstellungen ist ein kieferorthopädischer Behandlungsbeginn ideal, wenn seitlich ein paar neue Zähne durchgebrochen sind, aber auch noch ein paar Milchzähne vorhanden sind. Bei Engständen ist es einfacher, Platz zu schaffen, wenn noch nicht alle Backenzähne da sind. Zudem finden in der Phase des Zahnwechsels viele Knochenumbauvorgänge statt, was wir positiv nutzen können. 

Nicht abwarten bis alle neuen Zähne da sind.

Meist fängt man mit einer kieferorthopädischen Behandlung an, wenn noch Milchzähne vorhanden sind, denn oft geht es nicht nur um die Bewegung von Zähnen, sondern auch um eine Beeinflussung des Wachstums von Ober- und Unterkiefer. Und Kinder wachsen besonders viel zwischen dem 10.-12. Lebensjahr, wenn noch Milchzähne vorhanden sind. Häufig liegt der gesamte Unterkieferknochen zu weit hinten und dadurch beißen auch die Zähne von Ober- und Unterkiefer nicht richtig aufeinander. Vor allem mit herausnehmbaren Zahnspangen kann der Kieferorthopäde das Wachstum der Kiefer fördern oder hemmen und die Muskulatur auf die neue Lage einstellen, sozusagen umtrainieren. Diese Beeinflussung der Kieferknochen ist aber nur im Wachstum möglich. Patienten, die erst mit 13-15 Jahren zum Kieferorthopäden kommen, können auf diese Art nicht mehr behandelt werden, da ihr Hauptwachstum schon stattgefunden hat. Bei Erwachsenen bleibt in so einem Fall dann nur noch eine operative Lagekorrektur der Kieferknochen.

Der richtige Behandlungszeitpunkt ist extrem wichtig. Kommen Sie lieber zu früh als zu spät zu Ihrem Kieferorthopäden in Lippstadt.

Zur Beeinflussung des Wachstums setzt der Kieferorthopäde oft eine lose Zahnspange ein. Danach folgt meistens eine feste Klammer, die die Zähne sehr genau bewegen kann. Drehungen von Zähnen, das Schließen großer Lücken ohne ein Kippen der Zähne und andere Bewegungen können nur erfolgreich mit einer festen Zahnspange behandelt werden. So hat jedes Gerät seinen speziellen Behandlungsbereich in der Kieferorthopädie.

Eine kieferorthopädische Behandlung wird meist über vier Jahre beantragt, wobei das letzte Jahr nur für eine Überwachung der Stabilsierung der Zähne ist. In dieser Zeit trägt man sogenannte Retentionsgeräte, die verhindern, dass die Zähne in ihre ursprüngliche Stellung zurückwandern. Dieses kann ein Leben lang passieren, daher ist in der Kieferorthopädie eine lange Stabiliserungszeit sehr wichtig.

Ein Hinweis: Alle Patienten, die Sie auf dieser Webseite sehen, sind in unserer Praxis für Kieferorthopädie Dr. Bianca Mertens in Lippstadt behandelt worden und mit der Veröffentlichung ihrer Fotos einverstanden.

Beispiele Kieferorthopädie für Kinder und Jugendliche

Feste Zahnspange - Pendulum

Der folgende Patient hatte einen extremen Platzmangel, den wir mit verschiedenen Geräten behandelt haben ohne dabei Zähne zu entfernen. Nach der festsitzenden Behandlung folgte eine ca. 1-jährige Stabilisierungszeit mit herausnehmbaren Geräten. Hier der Behandlungsablauf:

Große Frontzahnstufe - Aktivator

Bei der folgenden Patientin wurde die starke Unterkiefer-Rücklage zunächst mit einem Aktivator behandelt. Das ist eine herausnehmbare Zahnspange, in die die Patientin ideal hineinbeißt. Sie wird nachmittags und nachts und getragen. Durch das ständige Training wachsen Knochen, Muskeln und Zähne sanft in diese ideale Position, das heißt in diesem Fall wächst der Unterkiefer weiter nach vorn. Zur Feineinstellung hat die Patientin dann aber auch noch eine festsitzende Klammer mit Brackets auf den Zähnen getragen. Die Stabilisierung erfolgte dann mit herausnehmbaren Geräten und festsitzenden Retainern.

Feste Zahnspange - Totaler Platzmangel

Dieser Patient hat einen totalen Platzmangel eines kleinen Backenzahnes, der daher neben der Zahnreihe durchgebrochen ist. Da bei diesem Patienten schon alle Zähne, auch die großen Backenzähne, durchgebrochen sind, ist eine Platzbeschaffung sehr schwierig. Man müsste alle großen Backenzähne nach hinten schieben und den kompletten Zahnbogen zur Einstellung der Mitte bewegen. Auch wenn es heutzutage seltener vorkommt, haben wir uns hier für eine Behandlung mit Entfernung von kleinen Backenzähnen entschieden. Wäre der Patient eher zur Behandlung gekommen, hätten wir wahrscheinlich andere Möglichkeiten der Behandlung gehabt.

Wegen der starken Mittenabweichung ist nicht nur der außerhalb der Reihe stehende Zahn entfernt worden, sondern auch ein Zahn auf der Gegenseite. Dadurch können wir wieder einen symmetrischen Zahnbogen schaffen. Dabei haben wir auch berücksichtigt, dass durch die Zahnentfernung am Ende weniger Spannung im Zahnbogen ist und das Ergebnis wahrscheinlich einfacher stabil zu halten ist, als wenn man versucht hätte, alle Zähne in die Reihe zu "quetschen".

Verlagerter Zahn / Operative Freilegung

Zähne, die gekippt im Knochen liegen und nicht von alleine den Weg in die Zahnreihe finden, nennt man verlagert. Häufig sind die oberen Eckzähne betroffen. Leider sieht man eine Verlagerung von außen nicht, da sie tief im Knochen stattfindet. Man sollte aber skeptisch werden, wenn ein Milchzahn anomal lang im Mund verbleibt und noch nicht wackelt. Dann könnte man eine Verlagerung des bleibenden Zahnes vermuten und sollte zur Sicherheit auf einem Röntgenbild die Lage des bleibenden Zahnes überprüfen. Damit Ihr Zahnarzt das erkennen kann, sind regelmäßige Kontrollen sehr wichtig.

Auf dem Röntgenbild der Patientin Nr. 114 unten sind beide Eckzähne verlagert. Der Eckzahn auf dem Bild rechts wird operativ freigelegt und in die Zahnreihe bewegt. Der Eckzahn auf dem Bild links ist allerdings so extrem verlagert, dass bei einer Bewegung des Zahnes die Gefahr besteht, dass die anderen Zähne beschädigt werden. Wenn ein Zahn zu nah an der Wurzeln anderer Zähne vorbeibewegt wird, können sich diese Wurzeln auflösen, d.h. resorbieren. Die Zahnwurzeln werden dadurch kürzer und der Zahn könnte sich eher lockern oder sogar ausfallen. Daher musste dieser Eckzahn leider entfernt werden, auch wenn man immer versucht, die Eckzähne wegen ihrer kräftigen Wurzel zu erhalten. Mit Zahnspangen wird die Lücke dann geschlossen, so dass der Verlust des Eckzahnes am Ende gar nicht auffällt.

Weil ein verlagerter Zahn nicht von alleine seine Richtung ändert, muss er aktiv in die Zahnreihe bewegt werden. Dieses geht nur über eine operative Freilegung.

Die operative Freilegung wird beim Zahnarzt oder einem Chirurgen durchgeführt und hört sich dramatischer an als sie ist: Unter Betäubung wird das Zahnfleisch aufgeschnitten und zur Seite geklappt. Dann wird vorsichtig Knochen entfernt bis der verlagerte Zahn sichtbar ist. Auf den Zahn wird dann ein kleines Knöpfchen mit einer Drahtschlaufe geklebt. Das Zahnfleisch wird wieder über den Zahn gelegt und vernäht. Dabei schaut die Drahtschlaufe aus dem Zahnfleisch heraus. Die Wunde heilt meist sehr schnell und ist nicht schmerzhaft, wenn man vorsichtig ist.

3-4 Tage nach der operativen Freilegung kommt der Patient wieder in unsere Praxis und wir üben das Einhängen eines Gummiringes von der Drahtschlaufe zu einer losen Klammer, manchmal auch zu einer festsitzenden Klammer. Über diesen Gummiring wird der Zahn dann langsam aus dem Knochen heraus in die Zahnreihe bewegt. Dieses kann je nach Mitarbeit, d.h. je nach Tragezeit des Gummiringes, 6-12 Monate dauern. Nur bei sehr schlechter Mitarbeit oder einer Ankylose des Zahnes gelingt dieses nicht. Bei einer Ankylose ist der Zahn mit dem Knochen verbacken und lässt sich gar nicht bewegen. Das kommt allerdings sehr selten vor.